Der freche Rabe Rudi

karnevalrabe01.jpgNa, das war auf jeden Fall keine leichte Aufgabe für mich: Rabe wollte Kerstin (fast 7) zu Karneval werden! Und da ich etwas übrig habe für unkomplizierte Kostüme, die preiswert herzustellen sind, mitwachsen und draußen sowie drinnen geeignet sind - also so richtig “eierlegende Wollmilchsäue” - fand ich diese Idee hier einfach überzeugend!

Das Cape hier macht zugegeben ganz schön Arbeit, aber es ist nicht schwer zu machen und die einzelnen Zutaten kosten auch nicht viel. Dafür macht es wirklich was her, ist nahezu unverwüstlich und wächst auch lange mit. Man kann ganz normale Sachen aus dem Kleiderschrank drunter anziehen und wenn’s nach draußen geht, paßt die Winterjacke noch mit drunter. Praktisch - Mamis lieben so etwas! ;-)

Wenn Ihr aber doch lieber etwas Schnelleres, wenn auch Kurzlebiges sucht, dann guckt mal ganz unten auf dieser Seite nach….

Meine Freundin Christiane hatte mir mal von der Grundidee des Capes erzählt, an das sie viele Krepp-Papier- oder Stoffstreifen genäht hatte (vielen Dank dafür!!). Da war eigentlich schon alles klar, ich brauchte nur noch einkaufen zu gehen: als Grundstoff habe ich schwarzen Filz ausgesucht, der fällt schön schwer und ist einfach zu nähen: Säume nicht nötig! Für ein Kind in Kerstins Größe (128) solltet Ihr schon so etwa 2m (bei 80cm Breite) mitnehmen. Die Federn bestehen aus schwarzer Futterseide , auch hier braucht Ihr 2 Meter (bei 150cm Breite). Dazu tut eine Nähmaschine gute Dienste - denn das möchte ich nicht alles mit der Hand nähen ;o), ein dickes Röllchen schwarzes Nähgarn, zwei Paar Druckknöpfe zum Annähen oder Einschlagen, ein Stück Schneiderkreide, ein Maßband, Stecknadeln sowie eine Zackenschere (keine Papierschere, eine richtige Zickzackschere ,wie der Schneider sie hat, muß es sein).

Auf dem Foto seht Ihr, wie der Schnitt aussieht: ich habe zuerst Kerstins Spannweite gemessen, d.h. von Handgelenk bis Handgelenk (bei uns 90cm). Das ist der kleinere Durchmesser eines Ovals, das Ihr auf den Stoff malen sollt. Dann legt Ihr das Maßband über die Schulter des Kindes: von den Knien vorne über die Schulter bis zur gleichen Höhe hinten (bei uns 140cm): das ist die Länge des Ovals in der anderen Richtung.

Schnittmuster aufzeichnen : Wollt Ihr wissen, wie ich so ein Oval gleichmäßig aufmalen kann? Ich hab einen Trick - man braucht wohl Teppich(boden) und ein großes Zimmer dazu…: ich breite den Stoff möglichst glatt aus und suche den Mittelpunkt. Dann nehme ich das Maßband und piekse es mit einer Stecknadel bei der 0 genau in den Mittelpunkt. Das Maßband kann ich nun straff gespannt um die Stecknadel herumdrehen, die es wie ein Anker festhält. Nun zeichne ich mit der Schneiderkreide erst die vier Richtungen an: bis zu den beiden Handgelenken und den beiden Kniesäumen. Denkt dran, daß Ihr vorher Durchmesser gemessen habt, nun müßt Ihr den Radius abzeichnen, das ist die Hälfte! Also vom Mittelpunkt aus 45cm zum linken Handgelenk, 70cm zum vorderen Saum, 45cm zum rechten Handgelenk und wieder 70cm zum hinteren Saum, das sind die vier Richtungen. Macht einfach da, wo das Metermaß 45 bzw. 70 anzeigt, einen Strich mit der Kreide auf den Stoff, und zwar quer zum Maßband. Außerdem malt Ihr eine Strichellinie am Maßband entlang zu all diesen vier Strichen. So, und nun versuche ich, die Viertelbögen dazwischen so gleichmäßig wie möglich zu zeichnen. Dazu teile ich einen davon wieder auf: erst halbieren, dann vierteln usw. Ich errechne die Länge, die genau mitten zwischen 70 und 45cm liegt: das ist die 57,5cm, und zeichne sie etwa in der Mitte zwischen den beiden Viertellinien auf dem Stoff ab. Dann suche ich wiederum die Längen, die mitten zwischen 45 und 57,5 und zwischen 57,5 und 70 liegen: das ist ca. 51 bzw. 64, und trage auch die wieder in der Mitte zwischen den Achtellinien ab. Zum Schluß verbinde ich die bisher gezeichneten Striche miteinander und habe ein leidlich gleichmäßiges Viertelchen Oval. Das reicht eigentlich schon. Ich schneide entlang dieser Linie den Viertelbogen aus (nicht ins Oval hineinschneiden!). Dann falte ich den Stoff halb und schneide die darunterliegende Lage passend. Wieder auffalten und andersrum halb falten. Dann kann ich die andere Hälfte des Ovals passend schneiden. Fertig! Es hört sich bestimmt komplizierter an, als es nachher ist…

So, nun fehlt noch der Halsausschnitt. Dazu nehmt Ihr wieder den Mittelpunkt von eben als Ausgangspunkt und zeichnet diesmal auf der kurzen Mittellinie, die zu den Handgelenken hinführt, 10cm in jeder Richtung ab. Auf der langen Mittellinie zeichnet Ihr sie nur in eine Richtung ab. Diese drei Striche verbindet Ihr nun zu einem Halbkreis, und den schneidet Ihr aus dem Stoff heraus. Damit Euer Kind nun mit dem Kopf auch durchpaßt, schneidet Ihr noch etwa 10 cm weit auf der langen Mittellinie weiter in den Stoff ein.

Federn zuschneiden: Mit der Zickzackschere schneidet Ihr aus dem Futterstoff Vierecke zu, die etwa 6-7cm breit und 25cm lang sind. Das genaue Maß ist nicht so wichtig, Ihr könnt es nach Augenmaß zuschneiden, das hab ich auch getan. Ihr braucht nur wirklich sehr viele, damit das Cape voll wird…. seufz! Die 2m Stoff gehen sicher dabei drauf. Der Zickzackscheren-Schnitt sieht dabei nicht nur gut aus, er verhindert auch, daß sich an den Schnittkanten Fäden ablösen - Ihr spart Euch also dabei, jede Feder auch noch säumen zu müssen!

Federn annähen : auch das ist eine Menge Arbeit, aber es sieht auch toll aus, oder? Ihr faltet etwa 10cm jeder “Feder” nach unten, dann liegt sie doppelt, und näht sie knapp unter der Falzkante reihenweise auf das Cape. Es soll nachher so ein bißchen wie Dachziegel aussehen. Ihr könnt das auf dem Foto oben ja sicher gut sehen.

So, zu guter Letzt schlagt Ihr unterhalb der Handgelenke noch Druckknöpfe vorn und hinten durch das Cape, dann bilden sich richtige Ärmel. Dadurch sitzt es besser und kann nicht so leicht verrutschen beim Tragen. Und jetzt ist es auch wirklich fertig!

karnevalrabe02.jpgWollt Ihr auch noch so eine lustige Kopfbedeckung wie Kerstin? Damit wird der Rabe erst so richtig komplett. Ich habe ihn aus Moosgummi, Hutgummi und einem grünen Pfeifenputzer schnell hergestellt. Zuerst schneidet Ihr eine Sonnenklappe aus schwarzem Moosgummi. Auf diese Klappe setzt Ihr den Rabenkopf und die Augen. Der Schnabel ist ein großer Rhombus, in der Mitte gefalten und mit dem Knick auf den Rabenkopf geklebt. Dann schneidet Ihr noch ein Blümchen zweimal aus, klebt es zusammen und faßt dazwischen den grünen Pfeifenputzer. Das andere Ende klebt Ihr dann zwischen die Schnabelspitzen. Zum Schluß noch das Hutgummi für den Kinderkopf passend an den Sonnenschild tackern und fertig!
Tip: Ihr könnt natürlich auch so einen Rabenkopf auf eine fertige schwarze Schirmmütze kleben. Oder Ihr bemalt eine weiße Schirmmütze mit Stoffmalfarbe: malt die Mütze fast schwarz, laßt nur die Augen frei und malt den gelben Schnabel über den Schirm. Das sieht bestimmt genauso schön aus!

karnevalrabe05.jpgUnd dann haben wir noch gelbe Schuhe gezaubert: ganz einfache Moosgummischeiben, so ein bißchen bananenförmig, die haben wir mit Hutgummi über die Schuhen um die Füße gebunden. Am besten legt Ihr einfach so ein Reststück gelbes Moosgummi mal auf einen Schuh und malt die Form ab. Den zweiten könnt Ihr ja dann gegengleich ausschneiden.

Von Sabine bekam ich dazu folgenden Tip: “Als kleine Ergänzung sehen als „Füße“ gelbe Gummihandschuhe (die einfachen Haushaltsdinger), die man über die Schuhe streift, sehr lustig aus.” Tolle Idee, vielen Dank!

karnevalrabe03.jpg karnevalrabe04.jpg

und jetzt: PARTY!!!

Für die ganz Eiligen, denen das Cape hier doch entschieden zu viel Arbeit ist (wer weiß, ob ich es genäht hätte, wenn ich vorher gewußt hätte, was auf mich zu kommt….), gibt’s hier noch die Variante für einen Tag : statt des Filzstoffes braucht Ihr einen schwarzen, großen Müllsack, 120l, möglichst ohne oder nur mit dezentem Aufdruck. Statt der Futterseide nehmt Ihr ein paar Rollen schwarzes Krepp-Papier und statt der Nähmaschine und dem ganzen Drumherum schwarzes Klebeband. In den Müllsack müßt Ihr als erstes Löcher für den Kopf und die Arme schneiden. Vergeßt nicht, daß er dazu auf den Kopf gedreht werden muß, daß der Boden oben ist, denn da sollen Eure Schultern rein. Das Krepp könnt Ihr erstmal aufgerollt lassen und durch die ganze Rolle Scheibchen von 6-7cm Breite schneiden. Die rollt Ihr dann auf und schneidet sie in handliche 25cm Stücke. Das werden die Federn. Ihr faltet etwa 10cm jeder “Feder” nach unten, dann liegt sie doppelt, und klebt sie knapp unter der Falzkante reihenweise mit dem Klebeband auf den Müllsack, daß sie nach unten hängen. Es soll nachher so ein bißchen wie Dachziegel aussehen. Wenn der ganze Müllsack voll ist, seid Ihr fertig. Die Rabenmütze könnte Ihr ja vielleicht trotzdem machen?

September 2002

bastelecke/tips/karneval/rabe.txt · Zuletzt geändert: 2008/02/28 21:56 (Externe Bearbeitung)
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