Anleitung

Fadengrafik funktioniert im Prinzip ähnlich wie das Sticken auf Stoff, nur ein paar Dinge werden grundsätzlich anders gemacht:

Regel Nr. 1: Fadenanfang und -ende werden niemals mit Knoten oder Vernähen befestigt! Legt Euch dafür Tesafilm zurecht und nehmt jedesmal ein kleines Stückchen davon, wenn Ihr den Faden wechselt.

Regel Nr. 2: Löcher muß man vorstechen! Im Stoff kommt man ohne aus, da der Stoff ja eine gewebte Struktur hat - mit „eingebauten“ Löchern sozusagen. Das Papier hat das nicht, man sieht also von hinten nicht, wo man vorne rauskommen wird. Außerdem nimmt der Stoff nicht übel, wenn man mal an der verkehrten Stelle einsticht, man kann mit der Nadelspitze so lange rumprobieren, bis man die richtige Stelel gefunden hat. Beim Papier sieht Du jeden Pieks für immer!!

Was braucht Ihr an Material?
Nähnadel: fein und spitz. Sticknadeln taugen für die Fadengrafik nicht, da sie oft stumpfe Spitzen haben.
Garn: Ihr könnt ganz normale Nähseide benutzen, das ist sehr billig, oder Ihr begeistert Euch für das Stickgarn, das es in allen Farben des Regenbogens gibt. Stickgarn wird in der Regel in Döckchen angeboten, das sind Stränge mit jeweils sechs umeinander gedrehten Fäden. Für Fadengrafik braucht Ihr immer nur Einzelfäden, ganz selten auch mal zwei gleichzeitg, aber eigentlich gilt: je feiner, desto besser! Stickgarn gibt es auch in verschiedenen Farbverläufen sowie in Metallic-Ausführungen, beide sehen bei Fadengrafiken ganz wunderbar aus!
Karton: Tonkarton ist genau richtig, Ihr könnt aber auch alle anderen Arten von leichtem Karton wählen bis hin zu Tapete und Naturpapier. Er sollte so fest sein, daß er den Zug der Fäden aushält, ohne einzureißen. Wenn er gleichzeitig noch ein bißchen biegsam und flexibel ist, ist er perfekt!
Vorlagen: sie beinhalten die Muster, die man stickt. Ohne Vorlage, wird eine Fadengrafik schwierig, aber das heißt nicht, daß man sich so etwas nicht selber machen kann! ;-) Ich zeig Euch nachher, wie das geht. Außerdem gibt es Sites im Internet, die solche Vorlagen anbieten, man kann sie in Zeitschriften und Hobbybüchern bekommen (Bastelladen, Onlineshop) oder kauft sich eine der vielen, schönen Schablonen, die es inzwischen gibt.
Tesafilm: damit könnt Ihr Schablonen bzw. ausgedruckte Vorlagen auf Eurem Kartönchen fixieren. Seht zu, daß Ihr die Klebestreifen so weit am Rand setzt, daß Ihr die Stellen nachher ohnehin abschneidet, denn der Karton leidet darunter, und das sieht man. Oder Ihr nehmt spezielles Tesa, das man gut wieder ablösen kann. Außerdem braucht Ihr immer kleine Stückchen zum Abkleben des Fadens beim Fadenwechsel.
Prickelnadel und Unterlage: Wenn Ihr die Löcher stecht, ist es besser für Tisch, Finger und Beine, wenne ine passende Unterlage drunter ist: eine Prickelunterlage aus verfilzter Wolle ist ideal oder ein dickes Stück Moosgummi (1cm). Die Prickelnadel sollte möglichst fein sein, nicht eine aus der Kiddybastelei, eher so eine , wie sie bei Ornare gebraucht wird. Wenn Ihr keine habt, könnt Ihr auch die Nähnadel nehmen und oben einen Korken zum Anfassen drauf stecken.

Alles da und bereit? Dann geht es jetzt los!



Für den Anfang beginnen wir mit einem Kreis, denn der sieht gut aus, ist leicht nachzusticken und gut geeignet, die Prinzipien der Fadengrafik zu verdeutlichen. Ihr könnt Euch die Vorlage selber erstellen, indem Ihr einen Kreis in gewünschter Größe aufzeichnet (geht auch sehr gut im Grafikprogramm) und mit dem Winkelmesser alle 10° einen Punkt auf den Umriß malt. So z.B.

fad-anl01.jpg

Wo sich die roten Linien mit dem Kreisumriß kreuzen, malt Ihr Euch dann jeweils einen Punkt, und nur diese Punkte brauchen wir jetzt:

fad-anl02.jpg

Ich habe diese Zeichnung extra schön groß gelassen, dann könnt Ihr sie gleich als Vorlage nehmen. Kopiert sie Euch einfach und druckt sie in der gewünschten Größe aus. ;-) Eine Karte ist in der Regel etwa 10 x 15 cm groß. Damit der Kreis dort schön draufpaßt, würde ich wohl etwa 7 cm für den Durchmesser des Kreises wählen.

Schneidet die Vorlage grob zu, am besten so groß, wie die Karte nachher werden soll, und legt sie auf den Karton, den Ihr Euch ausgesucht habt. Nehmt jetzt noch keine Doppelkarte! Es sieht besser aus, wenn Ihr die Fadengrafik auf einen einfachen Karton stickt (geht auch leichter, weil einem dann die Klappe nicht ständig beim Sticken im Weg ist ;-)), und diesen Karton nachher richtig zugeschnitten auf die Doppelkarte klebt. Denn Stickerei hat ja immer auch eine Rückseite, auf der die Fäden nicht so schön verlaufen und obendrein auch abgeklebt sind. Die sollten wir ja lieber ohnehin verstecken, ne?

Fixiert Vorlage und Karton am Rand mit Tesa, legt beides auf die Unterlage und nehmt Eure Prickelnadel. Stecht nun jedes Loch sorgfältig nach, möglichst senkrecht ein- und ausstechen, dann werden die Löcher schön gleichmäßig und rund. Wenn alle Löcher gestochen sind, nehmt Ihr die Vorlage vorsichtig wieder vom Karton und macht Euch ans Sticken.

Wählt eine Garnfarbe und schneidet ein Stück ab, nicht zu lang, nicht zu kurz, ein halber Meter ungefähr (also von wegen „Langes Fädchen, faules Mädchen“ - bei der Fadengrafik gilt das nicht! LOL), fädelt ein und stecht von hinten ins erste Loch ein. Zieht den Faden fast ganz hindurch und klebt das Ende auf der Rückseite mit einem Stückchen Klebeband ab.

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Dann zählt Ihr auf der Vorderseite die Löcher ab und stecht beim 11. Loch wieder ein (von vorne nach hinten).

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Der erste Stich ist jetzt schon gespannt, den zweiten macht Ihr direkt daneben: stecht von hinten in Loch Nr. 12 ein, das direkte Nachbarloch von eben, zieht den Faden zu Loch Nr. 2 und stecht dort wieder von vorne nach hinten ein.

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Bei Loch 3 kommt Ihr wieder nach vorne, bei Loch 13 nach hinten usw.

Auf diese Weise macht Ihr jetzt weiter, bis der Kreis komplett vollgestickt ist. Nach ein paar Stichen kommt Ihr an Löcher, in denen schon ein Faden steckt, das ist ok so, im Endeffekt müssen aus jedem Loch zwei Fäden herauskommen, dann ist es richtig.

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Und so könnte Eure Karte nachher aussehen. Diese beiden hier hat übrigens Maike gemacht, da war sie grad mal sechs. Hat sie doch schon toll hingekriegt, ne?

fad-maike01.jpg fad-maike02.jpg

Diese beiden hier stammen von Kerstin, sie war acht. Bei dem lila Kreis wollte sie mal ausprobieren, wie es aussieht, wenn man die Fäden mal kürzer, mal länger zieht. Beim untersten Kreis hat sie immer genau gegenüber eingestochen, beim zweiten Kreis immer ins 15. Loch, beim dritten Kreis immer ins 10. Loch. Ihr könnt dabei sehen, wie unterschiedlich die Fadengrafikkreise dabei werden - außerdem sieht es so übereinander auch sehr hübsch aus! ;-)

fad-kerstin01.jpg fad-kerstin02.jpg

Bei diesem Kreis hier ist der Kerstin ein Malheur unterlaufen: sie hat sich beim Sticken verzählt, und nachher sah es ganz anders aus als gedacht! :-( Aber sie hat aus der Not eine Tugend gemacht! Irgendwie hat das Ganze sie an eine Gitarre oder Mandoline erinnert, also hat sie einfach oben so einen Hals dran gemalt und die Stickerei damit gerettet! LOL

fad-kerstin04.jpg

Hier habt Ihr noch einen weitere Kreisvorlage, diesmal etwas feiner mit mehr Löchern. Viel Spaß damit! ;-)

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Das andere wichtige Grundelement ist die Ecke. Um Euch eine solche Vorlage zu erstellen braucht Ihr einfach nur Karo- oder Milimeterpapier und ein Lineal (im Computer geht das natürlich auch wieder). Erstellt Euch so eine Vorlage:

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Wiederum braucht Ihr nur die Punkte:

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Bedient Euch ruhig wieder an dieser Zeichnung hier. Sie ist groß genug zum abspeichern und ausdrucken!

So, und jetzt fangt Ihr wieder genau so an wie bei dem Kreis: von hinten in Loch 1, dem obersten Loch der sekrechten Linie (Fadenende festkleben nicht vergessen!) und den Faden bis zum ersten Loch (A) der waagerechten Linie spannen.

fad-anl11.jpg

Dann geht Ihr auf der Rückseite zum Nachbarloch B, stecht von hinten dort ein und spannt den Faden bis zum Loch 2 der senkrechten Reihe

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und so macht Ihr immer weiter. Es entsteht allmählich eine Kurve

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und so sollte es fertig aussehen:

fad-anl14.jpg

Eine Karte haben wir damit nicht gestaltet, aber dieses Element kommt in anderen Mustervorlagen immer wieder vor, wie hier bei Kerstins Möwe z.B.:

fad-kerstin03.jpg

oder auch bei den Sektgläsern und en Mini-Eckchen auf der Weihnachtskarte

fad-18.jpg fad-27.jpg


So, die Grundelemente kennt Ihr nun. Alles andere lernt Ihr bei Euren ersten Stickversuchen. Oft steht bei den Mustervorlagen auch dabei, wie man es aussticken soll. Wenn Ihr eine Kreisvorlage seht, bei der 1-7 steht, dann heißt das z.B. daß Ihr immer vom ersten ins siebte Loch, dann vom achten ins zweite, vom dritten ins neunte usw. stechen sollt. Alles klar? Ansonsten darf man natürlich seine Vorlagen sticken, wie man das selber will, und je einfacher eine Vorlage ist, auf desto mehr verschiedene Arten kann man sie nachher aussticken, das werde ich Euch noch zeigen! ;-)

bastelecke/basteln_grosse/kartenbasteln/fadengrafik/anleitung.txt · Zuletzt geändert: 2008/03/14 15:44 von grid
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