3D-Bilder selberbauen

Manchmal findet man schöne Bilder, die man gerne als 3D-Bild verarbeiten würde. Und manchmal findet man Step-by-Step-Bögen, die so schlecht gemacht sind, daß man sie auch am liebsten neu machen würde. Dafür ist diese Anleitung gedacht.

Der Sinn eines 3D-Bildes ist es, eine Illusion der Tiefenwirkung zu geben. Das bedeutet, daß diejenigen Teile des Bildes, die ganz vorne wären, wenn das Bildchen dreidimensional wäre, bei der Ausarbeitung auch ganz nach vorne gerückt werden. Das macht man, indem man diese Teile mit Abstandspads erhöht.

Am besten wählt Ihr Euch dazu ein Bild aus, das gute Konturen hat, damit man genau sehen kann, welche Teile mehr vorn und welche mehr hinten sind. Ob dieses Bild gezeichnet oder fotografiert ist, ist letztlich egal, nur die Schichten müssen klar zu erkennen sein – und natürlich darf das Bild nicht so filigran sein, daß man Schwierigkeiten mit dem Ausschneiden hat.

Man muß sich also zuerst einmal das Bildchen sehr genau angucken und sich dabei Gedanken darüber machen, welche Teile des Bildes ganz hinten zu sein scheinen, welche ganz vorne und welche dazwischen. Für eine Karte reicht es in der Regel aus, wenn man sich ca. 4 Schichten auf diese Weise einteilt. Sie soll ja nicht so dick werden, daß sie nicht mehr in den Umschlag paßt.

Seht Euch z.B. mal dieses Rosenbildchen an:

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Hier scheint die Rose unten links am stärksten hervorzutreten, die grünen Blätter rechts von ihr scheinen etwas weiter hinten, die Rose oben noch weiter hinten und die ganz rechts am weitesten hinten zu sein. Also druckt Euch das Bildchen viermal aus und schneidet es einmal komplett aus. Das ist die hinterste (= unterste) Schicht. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr sie schon mal auf eine vorbereitete Karte kleben, die nächsten Schichten sind einfacher zu montieren, wenn die unterste schon fest klebt.

Nun nehmt Ihr Euch das zweite Bildchen vor und überlegt, welcher Teil am weitesten hinten liegt – das war doch die rechts, nicht wahr? Also markiert Ihr Euch diesen Teil, damit Ihr nachher beim Schneiden noch wißt, was Ihr wegschnippeln müßt. Dabei seht Ihr, daß die beiden grünen Blättchen rechts eigentlich auch noch zu dieser hintersten Schicht gehören, also markiert Ihr diese auch. Das sieht dann so aus:

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Schneidet diese Schicht nun ohne die schraffierten Teile aus, und Ihr bekommt dieses Bildchen:

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Klebt es nun mit Abstandspads möglichst exakt auf die unterste Schicht auf. Nun nehmt Ihr Euch das dritte Bildchen. Vergleicht es mit der zweiten Schicht und überlegt, was nun am weitesten hinten zu sein scheint. Genau, das ist die Rose rechts unten. Auch die grünen Blättchen zwischen den verbliebenen Rosen scheinen weit hinten zu sein. Schraffiert auch diese Teile

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und schneidet das Bildchen ohne sie aus.

Ich weiß, eigentlich müßte dieses Bildchen nicht so, sondern so:

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aussehen, weil Ihr ja auch bei jeder neuen Schicht wieder das komplette Bild vor Euch habt. Ich finde allerdings, das sieht ein bißchen verwirrend aus, deshalb habe ich bei jeder neuen Schicht, die Teile bereits weggeschnitten, die schon in der vorigen Schicht weg gelassen wurden, ok?

Gut, also Eure dritte Schicht sieht nach dem Ausschneiden so aus:

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Jetzt könnt Ihr auch diese Schicht aufkleben. Nehmt Euch nun das letzte Bildchen und überlegt wieder, was vorn und was hinten liegt. Dieses Mal müßt Ihr die obere Rose und alle verbliebenen grünen Blätter wegschneiden:

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Und nun könnt Ihr dieses Bildchen

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als letzte Schicht aufkleben. Euer 3D-Motiv ist fertig und wirkt jetzt richtig plastisch!

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Noch ein weiteres Beispiel, diesmal Bob der Baumeister, dessen Bild ich auf einem Heft gefunden habe:

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Hier besteht natürlich die Schwierigkeit, daß das Motiv aus einem ziemlich verwirrenden Hintergrund erst einmal herausgelöst werden muß. Also gut gucken, was zum Motiv gehört und was nicht mehr. Druckt Euch das Bildchen wieder viermal aus und schneidet eines davon erst einmal komplett aus:

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Überlegt Euch für die zweite Schicht wieder, was am weitesten hinten ist und markiert diese Stellen:

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Das Hemd also? Dann schneidet diese Schicht nun so aus:

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Und klebt sie mit Abstandspads auf die unterste. Was ist nun am weitesten hinten? Die Latzhose, denke ich. Aber nicht der Gürtel, und auch nicht das Werkzeug darin. Auch an den Schuhen sind einige Stellen, die jetzt mit weg müssen, die Schuhspitzen müssen aber übrig bleiben. Hier müßt Ihr Euch eine Linie denken (rot), denn die Konturen sind nicht genau zu erkennen:

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Wenn Ihr das dann so ausschneidet, bleibt das übrig:

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Klebt es als dritte Schicht auf und nehmt Euch nun das letzte Bildchen vor. Was ist ganz vorne? Genau: die Stichsäge, der Farbeimer und die drei Finger der linken Hand. (Auch hier müßt Ihr Euch wieder eine Hilfslinie – rot – denken). Wenn Ihr wollt, könnt Ihr auch die Nase und die Vorsprünge am Helm noch einmal extra ausschneiden. Markiert sieht das so aus:

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Und ausgeschnitten so:

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Klebt auch das noch auf, und Euer Motiv ist fertig:

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Und noch ein drittes Beispiel, diesmal ein kleines Blumenmädchen:

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Druckt es wieder viermal aus, schneidet das erste Bildchen schon einmal komplett aus und klebt es auf Eure vorbereitete Karte. Schaut Euch nun das zweite Bildchen einmal genau an: jetzt seht Ihr bestimmt schon selber, was am weitesten hinten zu sein scheint, oder? Genau: der linke Arm und das linke Bein. Und wenn Ihr Euch das Leben leichter machen wollt, laßt Ihr am besten auch den Stiel des einzelnen Blümchens weg, denn so etwas kann man nur sehr schlecht ausschneiden und eigentlich gar nicht mehr mit Abstandspads aufkleben:

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Schneidet die zweite Schicht nun so aus

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und klebt die drei einzelnen Teile mit Abstandspads auf Eure erste Schicht. Nun seht Ihr Euch Euer Bildchen noch einmal gut an – was ist jetzt am weitesten hinten? Richtig: die Blumenstiele in der Hand (die Blütenköpfe könnt Ihr noch mal lassen, das wirkt sehr hübsch, wenn Ihr die noch mal extra ausschneidet), die Blüte in der rechten Hand und das rechte Bein – damit der Rock nachher schön weit nach vorne schwingt. Außerdem würde ich noch vorschlagen, das Grüne am Ausschnitt wegzunehmen und auch die Nase und den Mund, denn dann wirken die Backen besonders dick und rund:

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Alles weggeschnippelt sieht es nun so aus:

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Alles aufgeklebt? Dann zur letzten Schicht: Was bleibt nun noch übrig, was wird weggeschnippelt? Am weitesten vorne liegt wohl das Schürzchen und der grüne Puffärmel. Auch das Kopftuch können wir noch hervorheben. Also werden der rote Rock, der rechte Arm mit Hand, Gesicht und Haare sowie die einzelne Hand und die Blüten wegfallen. Auch das Oberteil der Schürze würde ich weglassen, da wir den Ausschnitt ja bereits in der Schicht davor ausgespart hatten – sonst würde das „Loch“ zu tief. Außerdem schwingt der Rockteil der Schürze dadurch um so weiter nach vorne:

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Das bleibt also übrig:

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Wenn Ihr nun noch ein Übriges tun wollt, dann klebt Ihr den weißen Rockteil ein bißchen schräg auf: nehmt an der Unterkante Abstandspads, an der Oberkante aber normalen Klebestift. Dadurch wird der Übergang oben nicht so hart – das Röckchen ist dort ja angenäht – und unten sieht’s dadurch um so schwungvoller aus. Bei dünnen Pads könnt Ihr hier sogar zwei übereinander ausprobieren. Und Eure Karte ist fertig!

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Fehler:

Wenn Ihr bis hierher gekommen seid, dann wißt Ihr nun schon ganz gut, wie Ihr Euch ein Bildchen in 3D aufbauen könnt – und seid damit weiter als so manche Leute, die das „professionell“ machen! LOL

Bei diesem Bogen kann man recht deutlich sehen, was für Fehler passieren können:

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Wenn Ihr Euch das Ausgangsbildchen anguckt und mit Schicht 2 (daneben) vergleicht, so fällt auf, daß bei der zweiten Schicht nicht nur der Hintergrund, nämlich das Gras, weggeschnitten worden ist, sondern das rechte Vorderbein gleich mit. Das ist ein bißchen schade, denn es ist ja deutlich vor dem Gras – es geht also ein bißchen Tiefenwirkung schon hier verloren. Wenn Ihr Euch Schicht 3 anseht (unten links), wird es allerdings völlig verrückt: die Teile, die hier weggelassen wurden, sind eindeutig die, die am weitesten vorne zu sein scheinen, nämlich beide linken Beine! Schicht 4 schneidet dann die Brustpartie weg, die eigentlich auf gleicher Höhe mit dem Rest des Körperchens liegt – auch das ist ziemlich unmotiviert. Es reicht eben nicht aus, irgendwas wegzuschneiden – man muß sich dabei schon ein paar Gedanken über die Tiefenwirkung machen! Daß hier der Schmetterling gleich fünfmal abgebildet ist, würde mir auch nichts weiterhelfen, da man ein so winziges und filigranes Teil ohnehin nur sehr schlecht mehrmals übereinander montieren kann – und dann gleich fünfmal?? Fazit: ein völlig verkorkster Bogen, den man besser selber macht! :-/

Wie müßte das Bildchen also eher aufgebaut werden? Nun: Schicht 1 ist natürlich wieder alles. In diesem Fall würde ich vorschlagen, daß das Bildchen als Viereck ausgeschnitten wird, denn es wird wohl niemand Lust haben, jeden Grashalm einzeln auszuschneiden, oder? Schicht 2 wäre dann das komplette Rehlein und noch einmal der Schmetterling (evtl. ohne Fühler. Am besten klebt man ihn nachher so auf, daß die Flügelränder frei bleiben und ein bißchen hoch stehen, dann kann man sich jede weitere Schicht sparen.). Bei Schicht 3 sollte man das rechte Vorderbein und das linke Ohr weglassen. Schicht 4 ist Geschmackssache: Ich würde wahrscheinlich nur noch das rechte Ohr aufkleben. Auch die beiden linken Beine könnte man noch nehmen. Da es hier aber keine „festen“ Konturen zum Rest des Körpers gibt, sieht das in meinen Augen immer ein bißchen komisch aus. Ich helfe mir da oft, indem ich solche Schichten schräg aufklebe, d.h. die Kante, die zum Körper zeigt – also oben – klebe ich mit Klebestift direkt auf die Schicht darunter, die gegenüberliegende Kante – hier also unten – wird mit Abstandspads aufgesetzt. Das wirkt sehr plastisch, ergibt aber keine harten Übergänge.

Und hier kommt ein gekaufter Bogen, der mich schon bald in den Wahnsinn getrieben hat:

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Auffallend sind hier die vielen einzelnen Blütenblätter – und genau das ist hier auch das Problem! Der Bastler ist hier gezwungen, jede seiner Schichten zusammenzupuzzeln, das heißt, er hat keine durchgehenden Schichten, sondern muß „Türmchen“ bauen, zwischen denen sichtbare Schnitte übrigbleiben. Egal, wie exakt man hier arbeitet – das Ergebnis läßt ziemlich zu wünschen übrig! Hier kann ich nur empfehlen: wenn Ihr den Bogen unbedingt haben wollt, weil Euch das Motiv so gut gefällt, scannt ihn ein, druckt Euch das Motiv viermal aus und „bastelt“ Euch Euer 3D-Bild selber! Leider gibt es von dieser und auch anderen Firmen viele solcher Bögen, die zwar vom Motiv her sehr schön sind, aber basteltechnisch den Eindruck machen, als hätte der Designer niemals selber ein 3D-Bild gebastelt!

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So, und jetzt wünsch ich Euch viel Spaß beim 3D-Schnippeln – und laßt mal Eure Ergebnisse sehen, ja?! ;o)

bastelecke/basteln_grosse/kartenbasteln/3d-technik/bilderselbermachen.txt · Zuletzt geändert: 2008/03/08 16:56 von grid
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